Russische Kosmonauten beenden ISS Ausseneinsatz in Rekordlänge

LIRA Antenne nach 17 Jahren voll in Betrieb

Kosmonaut Misurkin bei seinem EVA in 2013
Kosmonaut Misurkin bei seinem EVA in 2013 (Bild: NASA)

Beim zweiten geplanten ISS Weltraumspaziergang 2018 gelang es zwei russischen Kosmonauten die Lira-High-Gain Antenne der Raumstation aufzurüsten.

Das Ziel für die Aktivitäten ausserhalb der ISS war die Installation einer neuen Hochfrequenz-Empfängereinheit an der Lira-Antenne, die sich am hinteren Ende des inzwischen 17 Jahre alten Zvezda-Servicemoduls befindet.

Über 8,5 Stunden Wartungseinsatz im Weltall

Die beiden Kosmonauten Alexander Misurkin und Anton Shkaplerov öffneten am vergangenen Freitag um 16:34 die Schleuse am Pirs Ausstiegsmoduls und begannen so ihren Arbeitsausflug. Der Weltraumspaziergang war zu dieser Zeit noch auf etwa 6,5 Stunden angesetzt.

Insgesamt dauerte der Ausflug aber schlussendlich 8 Stunden, 7 Minuten – laut NASA der längste russische Weltraumspaziergang und der fünftlängste in der Geschichte der bemannten Raumfahrt.

Nachdem das Duo das Pirs Modul verlassen hatte, bestand ihre erste Aufgabe darin, Werkzeuge und Ausrüstung an den hinteren Teil des Zvezda Moduls der Raumstation zu bringen. Dies allein beanspruchte etwa eine Stunde.

Der nächste Schritt war, die Lira-Antenne zu entriegeln, um sie in eine sicher Standby Position zu bringen und auf die Elektronikbox zuzugreifen, die ersetzt werden sollte.

Beim Austausch des High-Gain-Empfängers wurden Schrauben und Stecker entfernt, die allerdings bei der Konstruktion nie für eine Wartung im Weltraum vorgesehen waren. Somit kamen auch hier einmal mehr Spezialwerkzeuge zum Einsatz die extra für diesen Zweck entwickelt wurden.

17 Jahre alte Antenne darf endlich Signale empfangen

Misurkin & Shkaplerov_vor ihrem Rekord ISS EVA
Misurkin & Shkaplerov_vor ihrem Rekord ISS EVA (Bild: NASA)

Die Lira Antenne lag quasi seitdem Start von Zvezda im Jahr 2000 brach. Sie sollte mit dem russischen LUCH Satellitennetzwerk kommunizieren, das dem Data Relay Satellite System der NASA ähnlich ist, um eine kontinuierliche Kommunikation mit der russischen Missionskontrolle in Moskau über ein nicht bodengebundenes Netzwerk zu ermöglichen. Dauernde technische Probleme mit LUCH verhinderten jedoch, dass Lira tatsächlich für diesen Zweck verwendet werden konnte.

LUCH ist nun mit neuen Satelliten, die zwischen 2009 und 2014 gestartet werden, einsatzbereit. Doch musste nun die inzwischen veraltete Hardware von Lira aufgerüstet werden, um kompatibel zu sein.

Ungefähr vier Stunden nach dem Weltraumspaziergang haben die Kosmonauten schließlich die alte Elektronikbox entfernt und im freien All entsorgt. Die alte Lira-Elektronik wird aber nicht lange im Orbit verweilen, da der Widerstand der oberen Atmosphäre sie in den kommenden Monaten verlangsamen wird, bevor sie schließlich wieder eintritt und verglühen wird.

Die Installation der neuen Hardware nahm danach etwas mehr als eine Stunde in Anspruch.

207. ISS Ausseneinsatz seit 1998

Russisches ISS Modul "Zvezda"
Russisches ISS Modul „Zvezda“ (Illustration:NASA)

Sobald die Aktivierung des jetzt LUCH kompatiblen Empfängers bestätigt wurde, wurde den Kosmonauten die Aufgabe übertragen, die Lira Antenne wieder in eine einsatzbereite Position zu bringen.

Danach es war an der Zeit, dass das Kosmonauten Duo ihren Arbeitsplatz aufräumt und sich auf den Weg zurück zum Pirs Ausstiegsmodul machte. Die Schleuse wurde dort nach 8 Stunden und 7 Minuten geschlossen und beendete offiziell den Rekord-EVA.

Es war Misurkins vierter Weltraumspaziergang und der zweite für Shkaplerov. Darüber hinaus war es der 207. EVA zur Unterstützung der ISS-Montage und -Wartung seit 1998.

In den kommenden Wochen wird es auf der ISS einen weiteren Weltraumspaziergang geben, der bereits für den 15. Februar 2018 geplant ist. Dann gehen der NASA-Astronaut Mark Vande Hei und der japanische Astronaut Norishige Kanai „von Bord“.

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