Es ist vollbracht: Die Falcon Heavy von SpaceX startete am Abend des 6. Februar erfolgreich auf ihren Erstflug. Mit an Bord war als Testnutzlast der Tesla Roadster des Firmengründers Elon Musk – das Auto befindet sich jetzt auf dem Weg in Richtung einer den Mars kreuzenden Umlaufbahn.

Die Falcon Heavy hob um 21:45 Uhr ab, nachdem der Start mehr als zwei Stunden lang wegen der starken Höhenwinde verzögert wurde. Die beiden seitlichen Booster landeten in spektakulärer Synchronisation auf den Landeplätzen 1 und 2 des ehemaligen Launch Complex 13 der vom Startplatz wenige hundert Meter entfernten Cape Canaveral Air Force Station.

Ein neues Zeitalter für die kommerzielle Raumfahrt

Die Oberstufe führte zwei zusätzliche Zündungen durch, mit welcher der Tesla Roadster in eine elliptische Umlaufbahn von etwa 180 zu 6.950 Kilometern brachte. Sechs Stunden später dann die weiter Zündung, die das Elektroauto auf eine heliozentrische Umlaufbahn zwischen Erde und Mars schicken wird.

Einziger Wermutstropfen:  Der mittlere Booster konnte nicht erfolgreich auf dem Drohnenschiff gelandet werden. Aufgrund der hohen Eintrittsgeschwindigkeit des Boosters wurde eine 3-Triebwerkszündung geplant, doch nur einer der Merlin Motoren konnte für die endgültige Landung reaktiviert werden. Der Booster traf neben der Barke im Wasser auf und beschädigte diese leicht.

„Ich versuche immer noch, alles, was passiert ist, zu verarbeiten“, zieht SpaceX-Chef Elon Musk auf einer Pressekonferenz nach dem Start die trotzdem positive Bilanz. „Das kommt mir alles irgendwie kommt noch surreal vor.“

Das Raketen Ballett – zweifache Booster Landung in Florida

Landung der Falcon Heavy Side-Booster
Landung der Falcon Heavy Side-Booster (Bild: SpaceX)

Die Geschichte der Falcon Heavy ist lang und reicht rund sieben Jahre zurück. Auf einer Pressekonferenz im April 2011 sagte Musk, die Schwerlastrakete bereits 2013 Richtung Orbit wird abheben können. Doch Entwicklungsschwierigkeiten sowie die Notwendigkeit die Falcon 9 und das NASA mitfinanzierte Cargoraumschiff Dragon fertig zu stellen, verzögerten den Erstflug des Fahrzeugs um mehrere Jahre. Zudem erlitt auch SpaceX in 2015 und 2016 Verluste bei denen die jeweilige Falcon 9 und deren Nutzlast verloren gingen.

Laut Musk war der Raketenbauer aus Hawthorne dreimal kurz davor die Entwicklung der Schwerlastrakete einzustellen. „Wir wollten Falcon Heavy nicht weiter entwickeln, weil so viel schwieriger wurde als wir es vermutet hatten“, sagte er. Mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar hat SpaceX in die neue Rakete gesteckt.

Falcon Heavy Jungfernflug Missionsabzeichen
Falcon Heavy Jungfernflug Missionsabzeichen (Illustration: SpaceX)

Doch die Verzögerung hatte auch gute Seiten: Verbesserungen in der Leistung der Falcon 9 ermöglichen nun auch der Heavy Variante, noch schwerere und größere kommerzielle Nutzlasten zu starten. Die Falcon Heavy wurde entwickelt, um bis zu 64 Tonnen an Material in eine niedrige Erdumlaufbahn und 26,7 Tonnen in eine geostationäre Transferumlaufbahn zu bringen. Allerdings bestätigte Musk, daß für diese Leistung die neue Block 5 Variante der Falcon Booster benötigt wird – und die startet erst in diesem Jahr. Beim gestrigen Start wurde von daher noch auf ältere Block 4 Technologie zurückgegriffen. Zudem waren die Seitenbooster gestern „flugerprobt“, während der mittlere Booster aufgrund der hohen statischen Anforderungen mehr oder minder ein Neukonstruktion darstellte, die Verstärkungen zur Aufnahme höhere Lasten beim Start beinhaltete.

 

Glückwünsche an SpaceX – auch von der Konkurrenz

Elon Musks Tesla Roadster mit "Starman" im Raumanzug von SpaceX
Elon Musks Tesla Roadster mit „Starman“ im Raumanzug von SpaceX

Insgesamt wurde der gestrige Start von allen Seiten – und auch von der direkten Konkurrenz als höchst erfolgreicher Meilenstein angesehen. So waren auf Twitter nicht nur der US-Präsident und Vize-Präsident voll des Lobes für den kalifornischen Raketenbauer, sondern auch die CEOs der direkten Mitbewerber, wie z.B. Tory Bruno von ULA und auch „Mit-Milliardär“ Jeff Bezos. Einzig der CEO der europäischen Arianespace konnte sich nicht zu einer offenen Gratulation an Elon Musk hinreissen lassen.

Elon Musks Tesla Roadster fliegt jetzt um die Sonne

Blieb noch Musks Roadster: Der Tesla soll sich nun in seiner heliozentrischen Umlaufbahn befinden – und dort für viele Millionen Jahre verbleiben, so denn er nicht von einem Asteroiden getroffen wird.

Überraschend bot SpaceX nach dem Start einen weitere Livestream auf YouTube an, der atemberaubende Bilder des Roadsters in der Erdumlaufbahn lieferte. Nach dem Verlassen der Erdumlaufbahn wird die Kommunikation allerdings nicht aufrecht erhalten werden können und neue Bilder vom „Space Tesla“ wird es wohl erst geben, wenn erste Menschen konkret danach im Sonnenorbit zwischen Erde und Mars suchen.

„Es ist wichtig auch mal etwas zu tun, daß irgendwie dumm und auch lustige ist“, sagte Musk auf der Pressekonferenz nach dem Start. „Die Bilder werden die Welt den Atem anhalten lassen.“

Für dieses Jahr sind noch zwei weitere Falcon Heavy Flüge geplant. Ein weiterer Testflug, dann aber schon mit militärischen Testsatelliten und dem LightSail 2 der Planetary Society. Der dritte Flug soll dann mit dem Arabsat Satelliten die in Dienst Stellung der Falcon Heavy für reguläre Kundenflüge darstellen. Wir groß der Bedarf hier ist – und in wieweit sich die Satellitenindustrie auf die neugewonnen Nutzlastfreiheit und die günstigeren Preisbedingungen durch neue, schwerere Satelliten einlassen wird, weiß man noch nicht. SpaceX ist aber nicht von der Falcon Heavy abhängig. Durch die Nutzung von Gebrauchtboostern kann die Rakete auch in kleinen Stückzahlen je nach Kundenanforderung hergestellt werden ohne die Produktion / Recycling der Falcon 9 zu beeinträchtigen.

Doch für Musk stehen schon andere Dinge im Vordergrund:“Jetzt ist Crew Dragon dran und danach die BFR“, lässt er verlauten und untermauert so nochmals seinen Anspruch den Traum von der Besiedelung des Mars tatsächlich Wirklichkeit werden zu lassen.

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